Volksschule St. Johann in Tirol

Ich habe im Schuljahr 2010/11 mit meiner damaligen 3. Klasse (20 Schüler, davon 4 mit nichtdeutscher Muttersprache) das Fingersystem mit Ihrer Methode geübt.
Die dritte Klasse erscheint mir als idealer Zeitpunkt dafür (Hände groß genug, das Schreiben an sich funktioniert gut, noch wenig falsche Dinge eingelernt, vom Lehrplan etwas mehr „Luft“ als in der 4. Klasse, Kinder durften auch zu Hause scheinbar durchwegs zum Computer,…).

Die Einführung in der kalten Jahreszeit Nov – Februar, weil man eher im Haus ist, weil man die Weihnachts- und Semesterferien bewusst nutzen kann.
Eine gute Kommunikation mit den Eltern ist ganz ganz wichtig (ich habe die Info in einen Elternabend verpackt, es hatte auch jeder die Wahl, ob sein Kind mitmachen darf ).
Die Vorbereitung gut durchdenken: Ich habe die Codes für jedes Kind 2mal hergerichtet (einen für zu Hause, beim Computer, einen für’s Federpennal) und hatte auch meine Liste in der Schule griffbereit.

Ich hielt Lektionen im Abstand von 10 – 14 Tagen (wöchentlich erschien mir zu stressig, man hat ja andere Dinge im Unterricht auch noch zu tun). Durch den etwas längeren Abstand zwischen den Lektionen war genug Zeit zum Üben. In der Schule muss eine tägliche Übungsmöglichkeit (bei mir im Rahmen der täglichen Freiarbeit) gegeben sein. Ich gab den Kindern immer wieder kleine geschriebene, individuelle Feedbacks mit nach Hause, was schon gut geht und was sie mehr übern könnten.
Die Übungen sind lustbetont und haben die Kinder meist gut angesprochen (sie haben mir auch selbst gefallen).
Ich habe bis zum Ende der 4. Klasse die Lernwörter wöchentlich (jeweils eine Zeile) tippen lassen, so war das Tippen ein regelmäßiger Bestandteil des Unterrichts.
Natürlich schleichen sich beim freien Schreiben dann „Schwindeleien“ ein (die Kinder schauen auch mal auf die Tastatur), aber es wird getippt – ich nahm das dafür gern in Kauf.

Durchwegs positive Rückmeldungen der Eltern (alle fanden es wichtig).
1/3 der Schüler schrieb am Ende der 4. Klasse sehr gut und zügig. 1/3 schrieb zufriedenstellend (so dass es dem Schreiben dient und nicht aufhält). Das letzte Drittel waren diejenigen, die nie so richtig in Schuss gekommen sind, sondern nur mit sanftem Druck zum Arbeiten zu bewegen waren (das ist eine realistische Klassensituation, wie sie sicher häufig auftritt).
All diese „Erfolge“ betreffen die Grund- Ober- und Unterreihe und die Groß- und Kleinschreibung; keine Sicherheit haben wir mit der Zahlenreihe erreicht (wahrscheinlich wurde hier zu wenig geübt) 
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Generell könnte es sich als schwierig erweisen, diese Inhalte, die ja nicht im Lehrplan stehen, als verbindlich an die Eltern zu bringen. Ich selbst hatte damit keine Probleme – es ist oft mehr eine Frage, wie der Klassenlehrer die Dinge präsentiert – und habe auch Erfolge immer sehr direkt kommuniziert.
Nur die Lektionen durchzumachen und dann alles auf sich beruhen zu lassen, hätte mir nicht genügt und ich glaube es dient generell der Sache nicht (schade um die Zeit).
Diesbezüglich gibt es Auffassungsunterschiede auch bei Kollegen, die dann erstaunt waren/ sind, wenn nach den 8 Lektionen immer noch nicht alle flüssig tippen. Das gehört noch viel klarer gesagt, dass die Lektionen nur die Einführung sind und die eigentliche Arbeit (die natürlich sehr lustbetont ist) erst anschließend beginnt.

Ergebnis: Ich würde es sofort wieder machen (und habe das auch in zwei Jahren, mit meiner jetzigen Ersten vor).
Alle Kinder, auch die nicht zur Perfektion gelangt sind, haben eine Ahnung von der Tastatur, da konnte keiner entkommen. Das wird allen in Zukunft beim Tippen (und in weiterführenden Schulen wird es unumgänglich) zugute kommen.

Ich würde mir wünschen, dass im Lehrplan solche Dinge verankert werden.
Ja, und das Lehrbuch (mit Code) gehört in die Schulbuchliste.

Lg und viel Erfolg
Eva Novak

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